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Der Name der Band ist Karpatenhund

Gerade jetzt zum Interview der Band in der neuen Intro, wollen auch wir Euch die Band vorstellen, die auch gern einmal mit ihrem sound Vans Videos und Podcasts verschönert!

Man kann Der Name dieser Band ist Karpatenhund auch das Graue Album nennen.

Weil es gummitwistend hin und her springt, zwischen dem weißen Rauschen und dem

bösen schwarzen Ungewissen, zwischen gleißend heller Hoffnung und tiefdunkler

Verstörung. Mit Liedern, die beim ersten Kuss schon ans Schlussmachen denken und

sich beim Emporsegeln für den Absturz rüsten. Weil man nie so genau weiß, ob gerade

etwas anfängt oder aufhört. Mit Unentschlossenheit hat das nichts zu tun; hier wird nicht

überlegt, ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist, weil komplett klar ist: Es ist völlig

leer, dämliche Frage. Karpatenhund schauen durch das Melancholiemikroskop und

stupsen das verschwommene Untersuchungsobjekt mit der Pop-Pipette an. Sie singen

vom großen Verschwinden, wenn man sich selbst schier aufzulösen scheint vor lauter

Fadheit. Wenn das Herz so leer ist wie die Straßen einer Kleinstadt, nachts um halb drei.

Vom Graugefühl in allen Facetten, von schiefer über rauchgrau bis ameisenbärenfarben.

Das könnte einige Menschen wundern, die Karpatenhund bisher als bubblegumbunte

Band gesehen haben. Dabei pieksten auch auf dem Debütalbum sofort die feinen

Widerhaken, die sorgfältig in die Lieder eingearbeitet sind: Ein kleines Obwohl war bei

Karpatenhund schon immer dabei, versteckt zwischen den Bedeutungsschichten.

Der Name dieser Band ist Karpatenhund ist ein Pop-Poesiealbum mit Eselsohren,

unter denen sich Zitate, bissige Hasen und rasend schöne Schrecklichkeiten verbergen.

Die man auffalten oder umgeknickt lassen kann, wie man lustig ist. Ob man das Leonard-

Cohen-Zitat, den Smiths-Anklang oder das angepluckerte „Fade to grey“-Toktoktok

überblättert oder nicht ist egal, denn die Lieder von Karpatenhund funktionieren wie die

herrliche Serie „Buffy the Vampire Slayer“: Wer die Eierkopf-Anspielungen auf David

Lynch, Jean Baudrillard und die Bergpredigt dort nicht erkennt, freut sich eben an den

süßen Girls und bösen Monstern.

Und Monster und Dämonen gibt es genug auf diesem Album, und sie sind so groß, wie

man sie zuletzt als Teenager sah, als alle Gefühle gleich die ganze Welt bedeuteten. All

das Bittere, Schlechte und Schlimme haben Karpatenhund diesmal besser ausgeleuchtet

als auf ihrem Debüt, als man die Biester leicht übersehen konnte, weil sie sich mit

Glitzerhütchen tarnten. Jetzt stehen sie da unübersehbar und fletschen die Zähne, und

Karpatenhund denken gar nicht daran, all die schlimmen Dinge irgendwie zu relativieren

oder, das Allerschlimmste, den Hörer dazu aufzurufen, sich zusammenzureißen und dem

Unbill entgegen zu feixen. Man darf sich der Zustände schämen, ohne sie kraftmeierisch

verändern zu müssen. Man darf im Kämmerchen sitzen und muss nicht raus in die

Sonne, Volleyball spielen. Dabei nährt sich der Schmerz bei Karpatenhund nicht aus den

üblichen Verdächtigen Liebeskummer oder Selbstmitleid: Die Verzweiflung und das

Elend sind viel grundsätzlicher. „Denn mein Herz ist kein Organ, es ist ein Stück Granit /

Ich bin dein Mädchen aus Beton, hart wie Bakelit“, heißt es in einem Stück auf der voran

gegangenen EP „Mondo Cane“. Wer von diesem Mädchen aus Beton träumt, dem wird

nicht schwarz vor Augen, sondern: genau.

Stoisch wie die Texte ist auch die Musik, manchmal fast ausgemergelt, kühl und knapp.

Man kann an The Cure, Devo und natürlich die Talking Heads denken. So viel sachliches

Leiden, so viel bei aller Tristesse doch immer auch beschwingter Weltekel braucht Mut –

schließlich leben wir in einer postpathetischen Zeit, in der für das große Brausen kein

Platz mehr ist, weil man ständig darüber nachdenken muss, wie man den Zahnersatz

finanzieren soll. Dass „Der Name dieser Band ist Karpatenhund“ bei aller stompenden

Sinnlosigkeit ein ungemein tröstliches und eigenartig beseelendes Album ist, liegt daran,

dass es die edelste Aufgabe der Kunst – und der Popkunst sowieso - erfüllt: Der Angst

den Schrecken nehmen, in dem sie zu etwas Ästhetischem umdekoriert wird.

Der Name der Band, die sich das traut, ist Karpatenhund.

 

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